Steuerreform 2016

30. September 2015

Die viel zitierte Steuerreform 2016 bringt umfangreiche Änderungen mit sich, nachfolgend werden - sehr komprimiert - die wichtigsten Bestimmungen, soweit bisher bekannt, aufgelistet. Einige Posten werden, weil nur für Wenige von Bedeutung, absichtlich nicht angeführt, insgesamt erhebt die Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Angesichts der massiven Veränderungen ist jedem Betroffenen zu raten, für jeweils seinen eigenen Fall eine entsprechende Beratung in Anspruch zu nehmen.

Einkommensteuertarif: Neufassung der Prozentsätze und der Progressionsstufen

Verkehrsabsetzbetrag: Wird erhöht und integriert künftig den Arbeitnehmer- und den Grenzgängerabsetzbetrag

Negativsteuer: Künftig können alle Absetzbeträge zu einer Negativsteuer führen, Erhöhung der Negativsteuer für Dienstnehmer aus der Erstattung der SV-Beiträge, neu, auch für Pensionisten.

Verlustvortrag: Auch für Einnahmen - Ausgaben - Rechner ohne zeitliche Einschränkung möglich

Sonderausgaben: Ende der Topf-Sonderausgaben mit einer 5-jährigen Auslauffrist, Meldepflicht der Sonderausgabenempfänger aus dem Bereich des Kirchenbeitrages, der Spenden und des Nachkaufes von Versicherungszeiten, daher ist in der Steuererklärung kein Eintrag mehr vorzunehmen.

Barzahlung bei beauftragter Bauleistung gem. § 19 UStG: Nicht abzugsfähig, wenn € 500,-- überschritten werden.

Zahlungen an Arbeitnehmer am Bau: Zwingend nicht in bar, andernfalls besteht Strafbarkeit als Finanzordnungswidrigkeit

Forschungsprämie: Erhöhung

Anschaffung Registrierkasse im Zeitraum 1.3.2015 bis 31.12.2016: Prämie in Höhe von € 200,-- im Zuge der Steuererklärung beantragen, Anschaffung darf sofort voll abgeschrieben werden.

Mitarbeiterbeteiligung: Erhöhung der steuerfreien Zuwendung

Kinderfreibetrag: Erhöhung

Arbeitnehmerveranlagung: Diese erfolgt automatisch von Amts wegen, wenn bis jeweils 30.6. des Folgejahres keine Erklärung eingereicht wird, offenbar keine anderen Einnahmen vorliegen und die Gutschrift wahrscheinlich nicht niedriger ist, als sie dem Steuerpflichtigen zusteht. Wird keine Erklärung eingereicht erfolgt nach 2 Jahren auf jeden Fall eine Veranlagung. Trotzdem kann 5 Jahres lang, wie bisher, eine Erklärung eingereicht werden, dadurch wird ein schon vorliegender Steuerbescheid aufgehoben.

Mitarbeiterrabatte: Umfangreiche Neuregelung. Steuerfreiheit, sofern gewisse Grenzen nicht überschritten werden.

Sachbezug Kfz-Nutzung: Prozentsatz ist abhängig vom CO2 Ausstoß des Kfz, stufenweise Anpassung bis ins Jahr 2020. Kein Ansatz eines Sachbezuges bei Kfz ohne CO2 Ausstoß. Ansatz des halben Sachbezuges bei weniger als 500 privaten Kilometern pro Monat bleibt erhalten.

Einlagenrückzahlung von Kapitalgesellschafter: diese wird steuerlich vorrangig als Gewinnausschüttung qualifiziert mit entsprechender Besteuerung.

 Wartetastenverlust: Quasi - Reaktivierung des seinerzeitigen § 23a EStG 1972. Gilt für kapitalistische Mitunternehmer, welche nach außer nicht oder nur eingeschränkt haften und keine ausgeprägte Mitarbeit entfalten und sofern der Mitunternehmer eine natürliche Person ist. Sind zugewiesene Verluste nicht durch die Kapitaleinlage gedeckt, dürfen insoweit diese Verluste nicht mit anderen Einkünften ausgeglichen werden sondern sind auf Wartetaste zu legen und können nur mit Gewinnen der selben Beteiligung verrechnet werden.

Kapitalertragssteuer (Kest): Erhöhung auf 27,5 %, ausser für gewöhnliche Sparzinsen. Bei köst-pflichtigen können weiterhin 25 % einbehalten werden, andernfalls besteht Abgeltungswirkung mit Option zur Regelbesteuerung. Weitere, umfangreiche Vorschriften werden hier nicht gelistet.

AfA - Satz Gebäude: generell 2,5 %, bei Gebäuden für Wohnzwecke generell 1,5 %. Neue Sätze sind auch für Gebäude im Altbestand anzuwenden, daher gegebenenfalls Änderung der Restnutzungsdauer.

Aufteilung Gebäude - Grund: Bei einer pauschalen Aufteilung ist der Grundanteil mit 40 % anzusetzen. Neuer Anteil gilt auch für Altbestände, sofern seinerzeit pauschal aufgeteilt wurde.

Instandsetzungsaufwendungen: Verteilungspflicht auf 15 Jahre. Gilt für Ausgaben ab dem Jahr 2016

Immobilienertragssteuer (Immoest): Erhöhung auf 30 % für Veräußerungen ab 2016. Dadurch auch Erhöhung der Effektivsteuerlast beim Verkauf von Altvermögen auf 18 % bzw. 4,2 %. Der Inflationsabschlag wird abgeschafft.

Vermietung von Beförderungsmittel: Die Sonderregelung betreffend Ort der Vermietungsleistung, wonach der Ort der Nutzung maßgeblich ist, entfällt.

Ust - Berechnung vom Normalwert: Gilt künftig auch für die Lieferung und Vermietung von Grundstücken. Bei Mitarbeiterrabatten gilt grundsätzlich der tatsächlich bezahlte Betrag als Normalwert.

Änderung Ust - Satz auf 13 % für: Beherbergung, gewisse Heime, Ab-Hof-Verkauf von Wein, Personenbeförderung mit Luftfahrzeugen, Eintritte bei Sportveranstaltungen (bisher 20 %), Liefererung und Einfuhr von lebenden Tieren und Pflanzen, Brennholz, Kunstgegenstände, Tätigkeit als Künstler, Filmvorführungen, Betrieb von Theater, Museen und Naturparks, Musikaufführungen, etc.

Einschränkung Vorsteuerabzug: Keine Vorsteuer, wenn bekannt ist oder bekannt sein musste, das der Umsatz mit einer Umsatzsteuerhinterziehung in Zusammenhang steht.

Vorsteuerabzug Kfz: Voller Vorsteuerabzug bei Anschaffung und Betrieb von Kfz ohne CO2 Ausstoß, allerdings Beachtung der Angemessenheitsprüfung und kein Vorsteuerabzug bei überwiegender, ertragssteuerlicher, Nichtabzugsfähigkeit.

Vorsteuer nach Durchschnittssätzen: Nicht zulässig, wenn eine doppelte Buchhaltung (freiwillig oder verpflichtend) geführt wird.

Belegerteilungspflicht: Gilt generell für alle Einkunftsarten ab 1.1.2016. Über jeden Barumsatz ist ein Beleg auszustellen und an den Kunden auszuhändigen. Dieser muss den Beleg entgegennehmen und zumindest bis vor das Geschäftsgebäude mittragen. Beleginhalt: Belegaussteller, laufende Nummerierung, Ausstellungsdatum, Bezeichnung und Menge des Umsatzes, bezahlter Betrag. Durch- oder Zweitschrift muss aufbewahrt werden. Die Nichtbefolgung ist strafrechtlich eine Finanzordnungswidrigkeit. Ausnahmen von dieser Pflicht werden durch Verordnung festgelegt.

Registrierkassenpflicht: Unternehmer mit betrieblichen Einkünften müssen ab 1.1.2016 eine Registrierkasse einsetzen, sofern der Jahresumsatz mehr € 15.000,-- und der darin enthaltene Barumsatz mehr als € 7.500,-- jährlich beträgt. Als Bar gelten auch die mit Bankomat, Kreditkarte oder Gutschein bezahlten Umsätze. Reg.-Kassenpflicht tritt ein mit Beginn des viertfolgenden Monats nach Ablauf jenes Voranmeldungszeitraumes, in dem die maßgebliche Grenze erstmals überschritten wird. Ein Verstoß gegen diese Vorschrift stellt zumindest eine Finanzordnungswidrigkeit dar. Ab 1.1.2017 muss dies Reg-Kassa auch über eine technische Sicherheitseinrichtung gegen Manipulation in Form einer kryptischen Signatur verfügen. Durch Verordnung werden Ausnahmen und umfassende Anweisungen zu diesem Thema normiert.

Weitere Änderungen: Diese betreffen die Grunderwerbsteuer, NOVA, Mineralölsteuer und Finanzstrafgesetz samt neu eingeführtes Kontenregister (Bankkonten). Zu diesen Themen wird hier nichts ausgeführt.

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